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Die Beschleunigungsfalle – der organisationale Burnout

Beschleunigungsfall organisationaler Burnout - Anja Wilhelm

Kann ein Unternehmen an einem Burnout erkranken? Die Trendstudie der Universität St. Gallen untersucht dieses Phänomen und kommt zu alarmierenden Ergebnissen.

Der steigende Wettbewerbsdruck durch die Dynamik der Märkte führt zu höheren Leistungsvorgaben an die Mitarbeiter, die Innovationszyklen werden verkürzt und die Zahl der neuen Projekte steigt. Ein ausgewogener Wechsel zwischen Hochenergie- und Erholungsphasen existiert nicht mehr. Eine phasenweise geforderte Höchstleistung bedeutet noch kein Problem für Mitarbeiter. Wird dies jedoch zum Dauerzustand, sind die Schwierigkeiten vorprogrammiert.

Drei Varianten

Die Studie beschreibt 3 Varianten des organisationalen Burnouts:

  • die Überlastung: die Leistungsvorgaben sind zu viel und sind in zu wenig Zeit zu bewältigen und es stehen zu wenig Ressourcen zur Verfügung
  • die Mehrfachbelastung: die Vielzahl der Aufgaben führt zu einem Verlust der Priorisierung und damit zur Belastung
  • die Dauerbelastung: die außergewöhnlichen Belastungen werden zum Dauerzustand, das Unternehmen agiert dauerhaft an der Leistungsgrenze

Größen- und Branchenabhängig

Interessanterweise ist die Beschleunigungsfalle größenabhängig und branchenabhängig. Je größer das Unternehmen, umso häufiger droht der organisationale Burnout. 77% der großen Unternehmen, 58% der Unternehmen mittlerer Größe und 33 % der kleinen Unternehmen befinden sich in der Beschleunigungsfalle. Bei den Branchen führt die Produktion (73%) gefolgt vom Großhandel (58%), Schlusslicht ist der Bereich Finanzen, Versicherungen, Immobilien mit immerhin noch 27% der Unternehmen im organisationalen Burnout.

Vielleicht erklärt diese Branchenabhängigkeit auch, dass im Ranking der von Burnout und Depression besonders betroffenen Berufe, das in der Wirtschaftswoche vom 12.10. veröffentlicht wurde, Angehörige des produzierenden Gewerbes Rang 4 (von 10) einnehmen. Denn bislang ordnete man dieses Phänomen ja in erster Linie den Berufen zu, die viel Kontakt mit anderen Menschen haben – Dienstleistern, Sozialberufen, Beschäftigten im Gesundheitsbereich.

Was bedeutet das?

All dies zeigt einmal mehr, dass zur Verringerung der hohen Arbeitsausfälle durch psychische Erkrankungen mehr gebraucht wird, als nur ein Entspannungskurs für die Mitarbeiter. Diese Maßnahmen werden immer ein wichtiger Baustein der Fürsorge für die Mitarbeiter sein, die wahre Veränderung muss aber in den Verhältnissen in den Unternehmen stattfinden.

partner_wilhelm-anja_2015-12-02Anja Wilhelm,
Trainerin und Coach für Resilienz und Gesundheitsmanagement

„Gesunde Mitarbeiter gestalten gesunde Unternehmen!“

Autor

Anja Wilhelm

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