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Entscheide dich endlich!

Unsere Seminargruppe saß beim Mittagsessen in einem zünftigen bayerischen Wirtshaus im gemütlich verwunschenen Biergarten. Wir hatten 60 Minuten Zeit für die Mittagspause und davon bereits 10 Minuten für – alle am Ausgang sammeln, – ich muss noch schnell wohin – wer fährt bei wem mit – verbraten.

Geschafft, wir saßen im Kastanienschatten und die Speisekarte hatte eine große Auswahl an bayerischen und internationalen Gerichten. Es gab die normale Karte und einen günstigen Mittagstisch mit Vorsuppe oder Salat zur Wahl. Das Dessert war für alle Gerichte von der Mittagskarte gleich. Sei`s gedankt!

Wir hatten nämlich Sybille mit am Tisch. Sybille, 32 Jahre alt, erfolgreiche Mediengestalterin, Single, sympathisch, schlau und schnell. Außer bei der Entscheidung, was sie zu Mittag essen will. Sie ließ uns teilhaben an ihrem inneren Konflikt und nach und nach stiegen mehr Seminarteilnehmer in den Prozess ein, denn die Zeit lief und je später wir bestellten, umso weniger Zeit hatten wir zu genießen und rechtzeitig zurück zu kommen. Zunächst versuchten sie es mit „Du könntest doch das Steak nehmen mit Salat“, dann mit dem Rat „das Steak vom Mittagstisch ist mit Salat“ – „Wenn Du keine Suppe magst, lass sie einfach weg.“ usw. Irgendwann – der Kellner war schon zum dritten Mal wieder abgedreht – wurde der Ton knapper „Nimm doch einfach den Schweinsbraten!“ – „Ist vielleicht zu fett.“ – „Dann nimmt halt das Steak!“ – „Oder den Fisch!“ . . .

Kennen Sie auch eine Sybille? Was ist los mit ihr?

Sie hat eine Entscheidungsschwäche, die sich auf den Bestellprozess beim Essen-gehen bezieht. Ich habe Sybille ausführlich befragt und herausgefunden:

  • Jede Entscheidung für ein Gericht ist eine Entscheidung gegen alle anderen Gerichte
  • Im Restaurant kann sie nicht – wie zuhause – noch umdisponieren. Die Bestellung zählt
  • Wenn andere am Tisch etwas bestellen, das leckerer aussieht, ärgert sie sich
  • Der Glaubenssatz „Andere bestellen immer die besseren Gerichte als ich“ ist tief verwurzelt

Sybille fragte, ob ich ihr einen Tipp geben kann.

Tipp für schnellere Entscheidungen:

Der Mensch entscheidet nicht aus dem Verstand heraus. Die Entscheidung für oder gegen etwaswird auf der emotionalen Ebene getroffen. Der Verstand versucht lediglich Argumente für die gefühlsmäßig getroffene Entscheidung zu liefern. Falls Sie das nicht glauben, bedenken Sie bitte:

Wenn der Verstand entscheiden dürfte, würde unsere Welt viel einfacher funktionieren und friedlicher sein.

Das Problem ist: Die emotionale Ebene ist für uns ohne Übung gar nicht so leicht zu erreichen und zu beeinflussen. Deshalb kann man zu folgendem Trick greifen, um das Bauchgefühl zu nutzen:

  • Wenn Sie vor einer Speisekarte sitzen, fragen Sie sich vor dem Aufklappen: „Was tut mir heute gut?“. Bestimmen Sie: das richtige Gericht soll in Fettdruck erschienen (oder ein beliebiges anderes Kennzeichen)
  • Öffnen Sie nun die Karte und gehen Sie die Gerichte durch, ohne zu denken. Vertrauen Sie darauf, dass ihr Gesamtsystem aus dem Bauch heraus die passende Wahl trifft.

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