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Sind Emotionen böse?

Sind Emotionen böse?

Sind Emotionen böse?

30 % meiner Coachingkunden, die Führungsverantwortung tragen, bringen während ihres Entwicklungsprozesses im Leadership-Coaching das Thema „Emotionen der Mitarbeiter“ ein. Die Klagen reichen von

  • Zwei Mitarbeiter geraten aneinander und ein offener oder schwelender Konflikt entsteht
    bis
  • Einzelner Mitarbeiter hat seine schlechte Laune nicht unter Kontrolle und zieht die anderen mit runter

Beides belastet die Stimmung und senkt die Leistungsfähigkeit der gesamten Gruppe. Emotionale Befindlichkeiten kosten Unternehmen wesentlich mehr Geld, als den meisten Managern und Führungskräften bewusst ist. Emotionen sind Geldfresser.

Wer sich im Laufe seines Lebens mit Philosophien und spirituellen Ansätzen beschäftigt, lernt seine Emotionen zu beobachten. In einigen Schulen wird den Emotionen ein niederschmetterndes Attest ausgestellt. Sie seien verantwortlich für das Böse der Welt und sollten vom Menschen gemeistert werden, was so viel bedeutet wie: unabhängig und unberührt werden von den Emotionen. Sätze wie „das ist aber eine niedrige emotionale Reaktion“ machen nicht nur die Emotion nieder, sondern auch den Menschen dahinter.

Was hat es mit Emotionen auf sich? Sind sie wirklich böse?

„emotio“ kommt aus dem Lateinischen (emovere) und bedeutet Herausbewegung, emporwühlen.

Die großen Emotionen sind: Freude, Wut, Ekel, Furcht, Verachtung, Traurigkeit, Überraschung, Liebe, Hass, Vertrauen, Leid, Widerwille, Zorn, Schamgefühl, Verachtung , Schuldgefühl, Enttäuschung, Mitleid, Sympathie, Neid, Stolz und Verliebtheit. (Siehe Modelle von Paul Ekman und Carroll E. Izard)

Emotionen haben zwei Aufgaben: Sie bewerten zum einen die Sinneswahrnehmungen und helfen entscheiden, ob eine Situation für das System negativ und gefährlich oder positiv und unterstützend ist. Zum anderen schalten sie im Leben den Turbo zu, indem sie antreiben und uns zu Aktivitäten bringen, bevor wir eine bewusste Entscheidung getroffen haben.

Emotionen sind nicht böse. Sie können Wegweiser sein, die uns helfen, richtige Entscheidungen zu treffen. Sie können uns zur Reflexion anregen und unsere Einstellungen und unser Handeln hinterfragen helfen. Sie sind nicht weg zu drücken und auch nicht aus dem Arbeitsleben fern zu halten. Sie sind ein wertvoller Systemteil, wie andere „Hinausbewegungen“ auch. Wir können sie für unsere Fortbewegung im Leben nutzen, müssen sie aber nicht allen anderen ungefiltert offenbaren und uns ihrer rücksichtslos entleeren, sobald sie auftreten. Genauso wie wir eine Toilette aufsuchen, wenn eine Entleerung nach physischem Verdauungsprozess ansteht, können wir entstehende Emotionen von unseren Mitmenschen und Kolleginnen und Kollegen fernhalten und ihre Bedeutung und Wegweiserfunktion erst einmal im stillen Emo-Kämmerchen untersuchen. Wenn mehr als eine hitzige Emotion den Weg weist und auch andere Systemteile nach ruhiger Betrachtung in dieselbe Richtung zeigen, dann darf die Emotion den Energieschub zum Handeln liefern. In der Zwischenzeit können wir unser Umfeld verschonen.

Noch ein Tipp zum Schluss: wer in seiner Arbeit ständig schlechte Laune hat, sollte sich überlegen, welcher Weg ihm dadurch gewiesen wird.

Autor

Christa Mesnaric

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